von Dr. Peter Gallmann und Prof. Dr. Horst Sitta
Peter Gallmann/Horst Sitta (Redaktion): Peter Gallmann (Redaktion): |
|
|
|
|
|
|
|
|
Bei den Lauten und Buchstaben, in der eigentlichen Wortschreibung also, geht die Neuregelung besonders behutsam zu Werke: Veränderungen in den vertrauten Schriftbildern stossen bei den Lesenden schnell auf Widerstand und lassen sich politisch nur schwer durchsetzen, auch wenn sie für die Schreibenden eine echte Vereinfachung mit sich bringen würden. Die Eingriffe beschränken sich daher weitgehend darauf, die Schreibung des Wortstamms in ein und derselben Wortfamilie zu vereinheitlichen und ein entsprechend regelorientiertes Schreiben zu unterstützen, zum Beispiel Stängel mit ä wegen der offensichtlichen Verwandtschaft mit Stange, nummerieren wegen Nummer, Megafon wegen Telefon, substanziell wegen Substanz (daneben als Varianten weiterhin: Megaphon, substantiell). Im Wesentlichen kommt es zu Änderungen in den folgenden Bereichen: A 1 s-Schreibung In Deutschland und in Österreich wird weiterhin zwischen Doppel-s (ss) und Eszett (ß) unterschieden. Die Regeln für die Verteilung dieser beiden s-Schreibungen sind aber neu gefasst worden: In Zukunft soll ß nur noch nach langen und doppelten Vokalen (Selbstlauten) geschrieben werden, zum Beispiel Fuß, Straße, reißen; nach kurzem Vokal steht in allen Stellungen ss.
Für die Schweiz ändert sich an dieser Stelle nichts es bleibt bei der durchgängigen Schreibung mit ss auch dort, wo in Deutschland und in Österreich ß steht, zum Beispiel in: Fuss, Strasse, reissen. Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-1 A 2 Zusammentreffen gleicher Buchstaben Für das Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben in Zusammensetzungen gab es bisher besondere Regeln (mit Unterregeln für die Silbentrennung). Diese Regeln sind ersatzlos gestrichen worden. Die Schreibung ergibt sich nun logisch aus den Bestandteilen der Zusammensetzung, es werden keine Buchstaben mehr eingespart.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-2 A 3 Verdoppelung von Konsonantenbuchstaben In einigen Einzelwörtern werden in Anlehnung an Schreibungen innerhalb derselben Wortfamilie die Konsonantenbuchstaben neu verdoppelt.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-3 Beim folgenden Einzelfall handelt es sich um einen Ausgleich innerhalb der Formen ein und desselben Wortes.
A 4 Umlautschreibung In einigen Einzelwörtern wird in Anlehnung an andere Schreibungen innerhalb derselben Wortfamilie neu ä statt e geschrieben.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-3 In den folgenden beiden Fällen kann der Schreibende auf zwei Wortstämme Bezug nehmen; konsequenterweise sind zwei Schreibungen zugelassen:
Neu e statt ä wird geschrieben in folgendem Fall:
A 5 Einzelfälle Bei der Neuregelung der Rechtschreibung konnten auch einige Einzelfälle korrigiert und in bessere Übereinstimmung mit dem Prinzip der Stammschreibung gebracht werden.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-4 A 6 Fremdwörter Die Neuregelung will die Anpassung von Fremdwörtern an die einheimische Schreibung vorsichtig fördern. Dabei beschränkt sie sich allerdings auf Bereiche, wo eine solche Entwicklung schon angebahnt ist, und erlaubt daneben weiterhin die bisherige Schreibung. Für die Schweiz ist ausserdem ausdrücklich festgehalten, dass bei Fremdwörtern aus den anderen Landessprachen die an der Herkunftssprache ausgerichtete Form als Vorzugsvariante gilt. A 6.1 é, ée --> ee Wörter mit é oder ée stammen aus dem Französischen. In der Schweiz wird auch in Zukunft in der Schule grundsätzlich die ans Französische angelehnte Form gelehrt; die eingedeutschte Form mit Doppel-e ist daneben selbstverständlich auch zugelassen. Vorbilder für die Neuerung sind Varianten wie Frottee, Dublee neben Frotté, Doublé, die es bisher schon gegeben hat.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-5 A 6.2 ou --> u Hier liegt ein Parallelfall zu den Wörtern mit é und ée vor. Vorbild sind ältere Anpassungen ans Deutsche wie Dusche, Bluse (früher Douche, Blouse).
A 6.3 ies --> ys Die Mehrzahl der Wörter auf -y richtet sich neu einheitlich nach der Einzahl, geht also auf -ys aus. In vielen Wörtern hat sich diese Schreibung schon früher durchgesetzt, zum Beispiel in: die Ponys, die Gullys.
Wenn ein Wort oder eine Wendung als Zitat aus dem Englischen aufgefasst werden soll, ist die original englische Schreibung angebracht: grand old ladies. A 6.4 ph, th, rrh, gh --> f, t, rr, g Betroffen sind zunächst Wörter mit den Stämmen graph, phon, phot; hier hat sich in Wörtern wie Telefon, Foto, Grafik schon früh die f-Schreibung als Hauptvariante durchgesetzt (neben: Telephon, Photo, Graphik). Neu soll die f-Schreibung in allen Wörtern mit diesen Stämmen möglich sein.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-6 Ähnlich können nun in ein paar weiteren Wörtern ph, th, gh und rrh durch f, t, g und rr ersetzt werden. Bei den Tierbezeichnungen war wohl Elefant Vorbild für die Eindeutschung (im 19. Jahrhundert noch: Elephant).
Schon früher eingedeutscht wurde Getto (daneben weiterhin die ältere Form: Ghetto). A 6.5 tial, tiell --> zial, ziell Nach dem Muster von Wörtern wie finanziell (zu Finanz) und tendenziell (zu Tendenz) soll bei weiteren Wörtern die Schreibung mit z eingeführt werden.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-7 A 6.6 Einzelfälle
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie A-8 |
| B Getrennt- und Zusammenschreibung Die Getrennt- und Zusammenschreibung war bisher sehr uneinheitlich geregelt. Dabei lag eine besondere Schwierigkeit darin, dass man nicht selten versucht hat, die unterschiedliche Bedeutung von Verbindungen durch unterschiedliche Schreibung auszudrücken. So musste man zum Beispiel bisher «wörtlichen» und «übertragenen» Gebrauch auseinander halten in Fällen wie: Die Leute sind einfach sitzen geblieben (= sind nicht aufgestanden). Paul ist sitzengeblieben (= in der Schule nicht versetzt worden). Auf derartige Unterscheidungen soll in Zukunft grundsätzlich verzichtet werden. Im Übrigen hat man wenn irgend möglich der Getrenntschreibung den Vorzug gegeben, da auf diese Weise die einzelnen Bestandteile einer Verbindung deutlicher sichtbar werden, was das Lesen erleichtert.
B 1 Verb + Verb Verbindungen aus Verb (Infinitiv) und Verb werden neu immer getrennt geschrieben.
B 2 Nomen + Verb Verbindungen aus Nomen und Verb schreibt man neu (mit Ausnahme weniger Fälle) grundsätzlich getrennt; das Nomen wird in diesen Fällen konsequent grossgeschrieben.
Weiterhin zusammengeschrieben (und klein): teilnehmen, wundernehmen, preisgeben, irregehen, heimgehen (und einige wenige weitere Fälle, die gewöhnlich keine Schreibprobleme verursachen). B 3 Wörter mit den zweiten Bestandteilen -einander und -wärts Wenn Wörter, die auf -einander oder -wärts ausgehen, vor einem Verb stehen, schreibt man sie neu immer getrennt.
B 4 Fügungen mit dem Verb sein Fügungen mit dem Verb sein schreibt man neu einheitlich getrennt.
B 5 Partizip + Verb, Partizip + Adjektiv Partizipien stehen vor einem folgenden Verb oder Adjektiv neu immer getrennt.
B 6 Verbindungen mit wie, so, zu Verbindungen von wie, so (ebenso, genauso), zu (allzu) mit Adjektiven schreibt man neu einheitlich getrennt.
Wie bisher gilt Zusammenschreibung, wenn eine Verbindung mit so zu einer Konjunktion (einem Bindewort) geworden ist. Sie leitet dann einen Nebensatz ein: Soviel ich weiss, wohnt Kurt in Schaffhausen. Sobald ich etwas erfahren habe, teile ich es dir mit. B 7 Ableitungen von Zahlen auf -er Von den Grundzahlen können mit der Endung -er Ableitungen gebildet werden, zum Beispiel: zehn --> der Zehner. Wenn eine solche Ableitung vor einem Nomen steht, schreibt man sie neu grundsätzlich mit dem Nomen zusammen (bei Schreibung in Ziffern: mit Bindestrich). (In Verbindung mit Jahr wird auch Getrenntschreibung toleriert; im Unterschied zu früher muss dabei aber nicht mehr auf den Sinn geachtet werden.)
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie B-1 B 8 Verbindungen mit irgend Verbindungen mit irgend werden neu einheitlich zusammengeschrieben.
B 9 Problemgruppen Auch nach der Neuregelung sind drei Problemgruppen übrig geblieben: Adjektiv + Verb, zum Beispiel: klarmachen / klar machen Adjektiv + Partizip, zum Beispiel: eng befreundet / engbefreundet Nomen + Partizip, zum Beispiel: Gewinn bringend / gewinnbringend Es gibt in diesen drei Bereichen keine Regeln, die einfach handhabbar sind und zugleich dem Sprachgefühl der Schreibenden gerecht werden. Beim Korrigieren ist darum Toleranz angesagt. |
Der Bindestrich steht im Innern von Zusammensetzungen. Er gliedert an Stellen, die unübersichtlich sind, und er bindet die Bestandteile der Zusammensetzung zu einer Wortform zusammen. Die Neuregelung systematisiert die Verwendung des Bindestrichs und eröffnet zugleich dem Schreibenden eine grössere Freiheit. C 1 Verbindungen mit Ziffern Zweiteilige Zusammensetzungen mit Ziffern schreibt man neu mit Bindestrich. Muster sind hier dreiteilige Zusammensetzungen wie 12-Meilen-Zone, 40-Stunden-Woche, in denen schon bisher der Bindestrich stand.
C 2 Bindestrich zur Hervorhebung von Wortteilen Bei einzelnen Wörtern war bisher im Wörterbuch festgelegt, ob sie mit dem hervorhebenden Bindestrich geschrieben werden oder nicht. Die Neuregelung arbeitet hier mit Varianten.
|
Grossschreibung gilt im Deutschen in vier Bereichen: 1. am Satzanfang 2. bei Nomen und Nominalisierungen 3. bei Eigennamen 4. bei bestimmten Anredepronomen Am meisten umstritten war der zweite Bereich. Die Fachexperten hatten hier deutlich für die Einführung der Kleinschreibung plädiert. Auf der politischen Ebene freilich hatten entsprechende Vorschläge in keinem der beteiligten Länder eine Chance: Die Entscheidung ist hier zugunsten einer vereinfachten («modifizierten») Grossschreibung gefallen. D 1 Die Grossschreibung am Satzanfang Bei der Grossschreibung am Satzanfang gab es eigentlich nur einen Problemfall: Wenn auf einen Doppelpunkt ein ganzer Satz folgte, musste man unterscheiden, ob der Satz vom vorangehenden angekündigt war (Grossschreibung) oder ob er eine Zusammenfassung oder eine Folgerung ausdrückte (Kleinschreibung). Diese sehr feine Unterscheidung ist aufgegeben worden. Heute gilt: Wenn auf einen Doppelpunkt ein ganzer Satz folgt, schreibt man ihn grundsätzlich gross.
Wenn statt des Doppelpunkts auch ein Komma oder ein Gedankenstrich stehen könnte, ist aber auch Kleinschreibung erlaubt.
Weitere Veränderungen gibt es in diesem Bereich nicht. Man schreibt weiterhin immer gross, wenn eine direkte Rede folgt: Und man schreibt weiterhin klein, wenn nicht ein Satz, sondern nur eine Aufzählung, eine Wortgruppe oder ein Einzelwort folgt: D 2 Nomen und Nominalisierungen D 2.1 Nomen in festen Wendungen Bei Nomen in festen Wendungen mit Verben richtet sich die Schreibung konsequenter als bisher nach dem Grundsatz: Bei Getrenntschreibung gross, bei Zusammenschreibung klein. Muster: Anteil nehmen -> ich nehme Anteil teilnehmen -> ich nehme teil
Wenn der Wendung eine Präposition wie in, mit, von, zu enthält, kann man teilweise auch zusammenschreiben.
Freigegeben ist die Gross- und Kleinschreibung in den folgenden Fallgruppen.
Klein und getrennt bleiben die folgenden Verbindungen: angst sein, werden (mir ist angst, mir wird angst) D 2.2 gestern, heute, morgen plus Tageszeit Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen werden neu konsequent grossgeschrieben.
D 2.3 Nominalisierte Adjektive in festen Wendungen Nominalisierte Adjektive wurden schon bisher wie jede andere Nominalisierung grundsätzlich grossgeschrieben (= Grundregel); sie wurden aber kleingeschrieben, wenn sie zusammen mit einem Verb eine feste Wendung bildeten, deren Gesamtbedeutung nicht ohne weiteres aus ihren Einzelwörtern abgeleitet werden konnte. Dabei wurde die unterscheidende Schreibung nie streng durchgehalten; so sahen die Wörterbücher für Wendungen wie ins Schwarze treffen Grossschreibung auch bei übertragenem Gebrauch vor. Das neue Regelwerk kennt hier nur noch Grossschreibung nach der Grundregel für Nominalisierungen.
Eine ähnliche Regelung galt bisher auch für freier verwendbare feste adverbiale Wendungen mit nominalisierten Adjektiven. Das neue Regelwerk schreibt auch hier Grossschreibung vor bisher wurde teils klein-, teils grossgeschrieben.
Als ärgerliche Ausnahme verbleiben einige wenige Wendungen mit einer reinen Präposition (ohne Artikel): binnen kurzem, vor kurzem, seit kurzem; seit langem, vor langem, seit längerem, vor längerem; von nahem; von neuem, seit neuestem; von weitem, bei weitem, bis auf weiteres, ohne weiteres.
D 2.4 Superlativ (Höchststufe) Weiterhin kleingeschrieben werden der Superlativ (die Höchststufe) mit am, wenn man mit Wie? danach fragen kann. Der Superlativ eine regelhafte Formenreihe mit anderen Vergleichsformen: Erika schreibt genau genauer am genauesten. Der Löwe brüllte laut lauter am lautesten. Dieser Turm ist hoch höher am höchsten. Sonst gilt die Grundregel für nominalisierte Adjektive (siehe auch den vorangehenden Abschnitt).
Bei Wendungen mit aufs wird in Anlehnung an die Superlative mit am weiterhin die Kleinschreibung toleriert. Vorzugsschreibung ist allerdings die Grossschreibung nach der Grundregel für Nominalisierungen.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie D-1 D 2.5 Ordnungszahlen Ordnungszahlen sind Adjektive. Man wendet hier daher neu konsequent die Grundregeln für nominalisierte Adjektive an.
D 2.6 Unbestimmte Zahladjektive Wenn ein Adjektiv eine unbestimmte Menge angibt, spricht man von einem unbestimmten Zahladjektiv. Für solche Adjektive gelten neu grundsätzlich die gleichen Regeln wie für alle anderen Adjektive. Wenn sie nominalisiert sind, schreibt man sie daher gross.
Es bleibt allerdings eine Vierergruppe übrig, die man weiterhin kleinschreibt: ein, ander, viel, wenig Kleinschreibung gilt auch für die zugehörigen Steigerungsformen: viel mehr am meisten, das meiste, die meisten Wenn bei diesen Adjektiven die substantivische Verwendung hervorgehoben werden soll, darf man sie aber neu auch grossschreiben:
D 2.7 Sprachbezeichnungen Endungslose Sprachbezeichnungen werden auch in Fügungen mit Präpositionen grossgeschrieben.
D 2.8 Paarformeln zur Personenbezeichnung Paarformeln mit Adjektiven zur Bezeichnung von Personen werden neu einheitlich grossgeschrieben; es muss nicht mehr zwischen deklinierten und nichtdeklinierten Adjektiven sowie zwischen wörtlicher und übertragener Bedeutung unterschieden werden.
D 3 Die Grossschreibung der Eigennamen D 3.1 Mehrteilige feste Begriffe Die Grossschreibung mehrteiliger Eigennamen hatte sich in der bisherigen Regelung sehr weit in Richtung einer Grossschreibung auch der festen Begriffe ausgeweitet, die keine Eigennamen sind. Sie wurde allerdings nicht einheitlich gehandhabt. Neu wird hier grundsätzlich kleingeschrieben.
Weiterhin grossgeschrieben wird in vier gut abgrenzbaren Fallgruppen: Titel, zum Beispiel: Technischer Direktor, Heiliger Vater besondere Kalendertage, zum Beispiel: der Weisse Sonntag geschichtliche Ereignisse, zum Beispiel: die Französische Revolution klassifizierende Benennungen der Biologie, zum Beispiel: die Schwarze Witwe D 3.2 Ableitungen von Personennamen Bei Ableitungen von Personennamen auf -isch und -sch musste man bisher unterscheiden, ob eine persönliche Zugehörigkeit oder Leistung vorliegt (Grossschreibung) oder eine blosse Benennung nach der betreffenden Person (Kleinschreibung). Neu wird grundsätzlich klein geschrieben.
Wenn der Personenname vor der Endung -sch mit Apostroph hervorgehoben wird, schreibt man einheitlich gross: der Ohm'sche Widerstand, das Ohm'sche Gesetz. Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie D-2 D 4 Die Grossschreibung der Anredepronomen Grossschreibung gilt nur noch für die distanziert-höfliche Anrede Sie. Für die vertrauliche Anrede gilt (wie in allen anderen europäischen Sprachen) einheitlich Kleinschreibung.
Hingegen wie bisher: Sehr geehrte Frau Müller |
Bei der Zeichensetzung gibt es in vier Bereichen neue Regeln: Komma bei und Komma bei Infinitiv- und Partizipgruppen Kombination von Komma und Anführungszeichen Apostroph (Auslassungszeichen) für ausgefallenes e
E 1 Komma bei und Hauptsätze, die durch und oder oder miteinander verbunden sind, müssen nicht mehr durch ein Komma voneinander getrennt werden. Ein Komma darf aber weiterhin gesetzt werden, etwa um den Aufbau des Satzes deutlich zu machen.
Nichts geändert hat sich am Grundsatz, dass das Komma am Ende eines Nebensatzes oder eines Nachtrags auch vor und, oder nicht fehlen darf: Er sagte, dass er morgen komme, und verabschiedete sich. Mein Onkel, ein grosser Tierfreund, und seine Katzen leben in einer alten Mühle. Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie E-1
E 2 Komma bei Infinitiv- und Partizipgruppen Anders als in der Vergangenheit muss bei Infinitiv- und Partizipgruppen kein Komma mehr gesetzt werden; es kann aber gesetzt werden, wenn man die Gliederung des Satzes deutlich machen will. Infinitivgruppen:
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie E-2
Partizipgruppen:
E 3 Kombination von Komma und Anführungszeichen Neu soll einheitlich ein Komma gesetzt werden, wenn einer direkten Rede der Kommentarsatz folgt oder wenn er nach ihr weitergeht.
E 4 Apostroph (Auslassungszeichen) Wenn bei einem Wort ein e weggefallen ist, setzt man gewöhnlich keinen Apostroph mehr:
Bei der Kurzform 's für es ist der Apostroph fakulativ:
Der Gebrauch des Apostrophs als Trennzeichen vor der Endung -s des Genitivs (Wesfalls) und der Ableitungsendung -sch ist nicht mehr verboten.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie D-2 und E-3 |
Die bisherige Regelung der Worttrennung am Zeilenende war zum einen durch eine Reihe von Ungereimtheiten bestimmt, zum andern setzte ihre korrekte Anwendung Vorkenntnisse voraus, die nur sehr wenige Menschen mitbringen konnten. So durfte zum Beispiel das betrifft die Ungereimtheiten st im Gegensatz etwa zu sp nicht getrennt werden. Was die Vorkenntnisse betrifft: Nach der bisherigen Regelung waren altgriechische und latei-nische Zusammensetzungen nach ihren Bestandteilen zu trennen, was die Kenntnis der Wort-stämme voraussetzte, die den Zusammensetzungen zugrunde liegen. Man musste daher tren-nen (wir geben nur die problematischen Trennstellen an): Päd-agogik, Heliko-pter, Chir-urg, In-itiative, Korre-spondenz, par-allel. Mit der Neuregelung konnte eine Reihe von Schwierigkeiten der genannten Art beseitigt wer-den.
F 1 Die Trennung von st und ck Neu wird st (wie sp, sk) getrennt.
Dafür wird neu ck (wie ch, sch) als Einheit behandelt; man löst also nicht mehr in k-k auf.
F 2 Verbindungen mit r und l sowie gn und kn in Fremdwörtern Die aus dem Latein bzw. den romanischen Sprachen stammende Regel, dass Verbindungen mit r und l sowie die Buchstabenverbindungen gn und kn in Fremdwörtern ungetrennt bleiben, ist nicht mehr verbindlich. Infinitivgruppen:
F 3 Die Trennung ursprünglicher Zusammensetzungen Zusammengesetzte Wörter werden wie bisher nach ihren Bestandteilen getrennt: Haus-tür, Mein-eid, berg-ab. Wenn eine ursprüngliche Zusammensetzung aber nicht mehr als solche erkannt bzw. empfunden wird, kann man auch nach den Regeln für einfache Wörter trennen. Dies gilt vor allem für Wörter aus dem Altgriechischen und dem Lateinischen.
Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie F-1 F 4 Die Abtrennung einzelner Vokalbuchstaben Neu ist die Abtrennung einzelner Vokalbuchstaben am Wortanfang nicht mehr verboten.
Es sollte aber nicht dazu ermutigt werden, von der neuen Freiheit Gebrauch zu machen. Insbesondere sollten Trennungen wie Montaga-bend vermieden werden. Siehe auch: Link auf Empfehlungen für die Druckindustrie F-2 |
Version vom Januar 1998 Bei der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung hat sich meist aus politischen Gründen in einigen Bereichen ein Nebeneinander von verschiedenen Schreibungen ergeben. Diese folgenden Empfehlungen zielen darauf ab, diese Varianz zugunsten grösserer Einheitlichkeit etwas zu beschränken. A Laute und Buchstaben 1. Schreibung mit ss (Doppel-s) oderß (Eszett oder Scharf-s): Bei Druckerzeugnissen, die sich auch an Leser ausserhalb der Schweiz wenden, wird Eszett (nach der neuen Regelung) gesetzt. 2. Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben: Man kann hier auch den Bindestrich setzen. Wir empfehlen, von dieser Möglichkeit wie bisher nur in zwei Fällen Gebrauch zu machen: 1. wenn Fehllesungen zu vermeiden sind, 2. beim Zusammentreffen dreier e bei Nomen (nicht Adjektiven), zum Beispiel: Tee-Ei, Armee-Eigentum; aber: seeerfahren, armeeeigen. 3. Alt oder neu? Wo alte und neue Wortschreibungen nebeneinander stehen, empfiehlt es sich, nur noch die neuen Varianten zu verwenden: Tollpatsch, Quäntchen, belämmert, verbläuen. 4. Albtraum: In der Schweiz weiss man, dass Albträume nichts mit den Alpen zu tun haben; wir favorisieren daher die Schreibung mit schwachem b: Albtraum, Albdrücken. 5. Akzente: In Fällen wie Negligé, Necessaire, Varieté sind auch Varianten zu tolieren, die alle Akzente des Französischen beibehalten, also: Négligé, Nécessaire, Variété. Ähnliches gilt für den Bindestrich in Fällen wie: Hors-d'Ïuvre, Rendez-vous. 6. Wortstamm graph oder graf: Die f-Schreibung ist vorzuziehen, also: Biografie, Geografie, Polygraf, Typografie usw. 7. Wortformen auf -zial und -ziell: Wir empfehlen, wenn immer möglich die z-Schreibung anzuwenden: substanziell (wie schon bisher: finanziell), potenziell (wie schon bisher: tendenziell). 8. Spaghetti: In der Schweiz schreibt man weiterhin mit gh. B Getrennt- und Zusammenschreibung 1. Ableitungen von Zahlen auf -er: Wir empfehlen, einheitlich zusammenzuschreiben. Beispiel: in den Sechzigerjahren. (Bei Schreibung in Ziffern mit Bindestrich nach der Endung: in den 60er-Jahren.) D Gross- und Kleinschreibung 1. Superlative mit aufs: Wir empfehlen, einheitlich grosszuschreiben. Beispiel: Wir haben uns aufs Beste unterhalten. 2. Ableitungen von Personennamen auf -sch: Bei diesen Ableitungen handelt es sich um Adjektive. Wir empfehlen, sie einheitlich nach den Grundregeln klein und ohne Apostroph zu schreiben: der ohmsche Widerstand, das ohmsche Gesetz. E Zeichensetzung 1. Komma bei und, oder: Die Freigabe des Kommas bei und, oder darf nicht mit dessen Abschaffung verwechselt werden. Redaktion und Korrektorat sollen auch Zukunft von der Möglichkeit Gebrauch machen, zwischen Hauptsätzen, die mit und, oder verbunden sind, ein Komma zu setzen. Zwischen Nebensätzen gleichen Grades, die mit und, oder verbunden sind, wird weiterhin grundsätzlich kein Komma gesetzt. 2. Infinitivgruppen: Für die grafische Industrie empfiehlt sich die folgende Unterscheidung: a) Normalfall: Die Infinitivgruppe mit zu gilt als Nebensatz und wird daher mit Komma abgetrennt, zum Beispiel: Er zögerte, den Schalter zu drehen. b) Sonderfall: Die Infinitivgruppe mit zu ist in das Prädikat des übergeordneten Satzes integriert und wird daher nicht mit Komma abgetrennt, zum Beispiel: Er scheint den Schalter zu drehen. Siehe dazu Walter Heuer, Richtiges Deutsch, 23. Auflage 1997, §§ 15671567. 3. Der Apostroph vor der Endung -s des Genitivs (Wesfalls) wird nur in Firmennamen und dergleichen angewendet, sofern der Genitiv Bestandteil des Namens ist: Ursi's Blumenshop. Aber ohne Apostroph: Ursis wunderschöne Blumen. F Trennung 1. Lateinische Vorsilben: Bei lateinischen Fremdwörtern werden die Vorsilben beachtet in Fällen wie: Ap-plikation, At-tribut, kom-plett, Kon-struktion, In-flation (nicht: App-likation, Att-ribut, komp-lett, Konst-ruktion, Inf-lation). 2. Abtrennung einzelner Vokale: Das Abtrennen einzelner Vokale ist als typografisch falsch anzusehen. Daher nur: Ofen (untrennbar), Abend (untrennbar), Ele-ment; Holz-ofen, Diens-tag-abend, Bau-ele-ment. |
Adjektiv: Eigenschaftwort, Wiewort, zum Beispiel gut, schnell, viereckig. Anredepronomen: Fürwort, mit dem man jemand anspricht.
Infinitiv: Grundform des Verbs (Tätigkeitsworts), zum Beispiel: suchen, stehen, fallen, sein. Oft mit dem Wörtchen zu: um É zu arbeiten. Infinitivgruppe: ein Infinitiv, gegebenenfalls mit seinen zugehörigen Wörtern, zum Beispiel:
Konsonant: Mitlaut, zum Beispiel b, f, m Nomen: Substantiv, Hauptwort, zum Beispiel Baum, Stein, Glück nominalisiert: wie ein Nomen gebraucht, zum Beispiel:
Partizip: Mittelwort des Verbs (Tätigkeitworts), zum Beispiel suchend, gesucht Partizipgruppe: ein Partizip, gegebenenfalls mit seinen zugehörigen Wörtern, zum Beispiel:
Pronomen: Fürwort, zum Beispiel ich, du, dieser, jeder, alle, niemand, wer Verb: Tätigkeitswort, Tuwort, zum Beispiel suchen, stehen, fallen, sein Vokal: Selbstlaut, zum Beispiel a, e, i |
| E-mail an Mediaforum |
| Mediaforum, Merkurstrasse 31, 8032 Zürich, Telefon 044/451 19 03, Fax 044/451 19 15 |